1933 – 2013

80 Jahre Haustechnik Lempp

 

Thomas Warndorf


Über drei Generationen hinweg besteht das Familienunternehmen Lempp in der Radolfzellerstraße in Stockach. Die Kernkompetenzen eines Flaschner- und Installationsbetriebes sind heute geblieben, mit zusätzlichen Geschäftszweigen wie dem Heizungsbau hat das Unternehmen unter der aktuellen Leitung von Helmut Lempp mit seinen sieben Mitarbeitern seinen guten Ruf weit über Stockach hinaus ausgebaut und gefestigt. Der folgende Beitrag basiert auf Unterlagen aus dem Familien- und Geschäftsarchiv.

 

Ein Eintrag in den „Gewerbsanzeigen“ der Gemeinde Stockach im Jahr 1933 vermeldet kurz und bündig, dass ein gewisser Theodor Lempp mit Wirkung vom 2. Mai ein Flaschner- und Installationsgeschäft eröffnet habe. Angesiedelt war das Unternehmen in der „Rißtorferstraße 447“, direkt neben dem Grundstück und Wohnhaus des Güterhändlers Günter Renner. (Heute Gelände des Autohauses Happle.)

 

Gewerbeliste des Jahres 1933 mit Firmeneintrag von Theodor Lempp
Gewerbeliste des Jahres 1933 mit Firmeneintrag von Theodor Lempp

 

An dieser Straße, die ihren Namen immer wieder wechselte, mal hieß sie „Landstraße“, dann selbst noch nach 1949 „Reichsstraße“, zumeist aber „Radolfzellerstraße“, dort also hatten bereits 1927 Theodor Lempp und sein Schwager, der „Eisenbahnassistent“ Johann Kuppel, gemeinsam an der zu diesem Zeitpunkt noch so genannten „Landstraße Nr. 57“ auf zwei gleich großen Flächen (Lageplan 1026/4 und 1026/5) ein Doppelwohnhaus errichtet. Das Grundstück Lempp zog sich im hinteren Teil bis an die heutige Alemannenstraße, später sollte es noch genügend Platz für Garagen- und Werkstattgebäude bieten.

 

Hausbau 1927. Ansicht der Straßenseite
Hausbau 1927. Ansicht der Straßenseite

 

Die Vorstadt Rißtorf lag in den späten 20er Jahren zwar weit weg vom Stadtzentrum, bot aber preisgünstiges Baugelände. Eine Geschäftsgründung kam freilich 1927 für den jungen Handwerker noch nicht in Frage. Der in Wahlwies geborene Theodor Lempp (1) hatte in der Zeit des 1. Weltkrieges eine Flaschner-Lehre in Radolfzell beim Flaschner Hügle begonnen, konnte sie aber wegen des Todes seines Lehrherren dort nicht abschließen, sondern wechselte in einen Betrieb nach dem kleinen, heute zu Rickertsreute gehörigen, Echbeck bei Heiligenberg. Dann wechselte der junge Mann im Jahr 1920 nach Stockach, um bei der Firma Hermann Hammerer als Blechner und Installateur zu arbeiten.

 

Die Jahre der Weimarer Republik mit all ihren politischen und finanziellen Querelen machten vor Stockach nicht halt, das bekam Theodor Lempp auch zu spüren. Er wechselte für kurze Zeit zur Gießerei Fahr, fühlte sich dort offenbar aber wenig wohl und suchte sich lieber eine Arbeit in einem Blechnerbetrieb im schweizerischen Steckborn. Zu diesem Zeitpunkt stand das neue Wohnhaus in der Radolfzellerstraße aber bereits und Theodor Lempp wird wohl lange gegrübelt, überlegt – und nicht zuletzt gerechnet haben, ob auf der Basis des eben erbauten Hauses der Weg in die berufliche Selbstständigkeit nicht die bessere Lösung sein könnte.

 

Man muss sich vergegenwärtigen, in welcher Zeit solche Überlegungen schließlich zur Eröffnung des Flaschner- und Installationsbetriebes 1933 führten. Der tägliche Blick in die Zeitung bot weder im politischen noch im wirtschaftlichen Teil irgendwelchen Anlass zu Hoffnungen auf die Zukunft. Mit dem Hausbau hatte sich der junge Mann bereits finanzielle Last aufgeladen, an örtlicher und etablierter Konkurrenz fehlte es in Stockach nicht – und da war eine junge Familie, die es zu ernähren galt. Einen Theodor Lempp konnten all diese Einwände aber nicht schrecken.

 

1933 bedeutete der Schritt in die Eigenständigkeit in gewisser Weise die Flucht nach vorne. Eben hatte die Firma Fahr die Zahl ihrer Mitarbeiter um rund 200 reduziert, im Dezember 1932 war im Bezirk Stockach eine Rekordarbeitslosigkeit von 427 männlichen Personen verzeichnet worden und die Firma Fahr sah sich in der Verantwortung, entlassenen Männern einmalig mit sieben Reichsmark zu helfen. Das Arbeitslosenasyl in der Nellenburgstraße war überfüllt. Andererseits versprach die neue Stadtführung der Nationalsozialisten im Frühjahr des Jahres 1933 städtebauliche Programme für Stockach und seine Umgebung, von denen gerade die kleineren Handwerker profitieren könnten. In den kommenden Jahren wurde davon zwar nicht viel umgesetzt, aber eine gewisse Aufbruchsstimmung wurde damit doch geschaffen. Viel später, anlässlich des 50jährigen Firmenjubiläums im Jahr 1983, erinnerte sich der Firmenchef der zweiten Generation, Alfons Lempp, daran, wie im Hause Lempp in den 30er Jahren Sparsamkeit angesagt war. Das hatte nichts mit Armut oder Beschäftigungslosigkeit zu tun. Nein. Es war vielmehr eine typische Lebenshaltung vieler Handwerker, ihren familiär orientierten Kleinbetrieben weder Kapital oder Zugewinn zu entnehmen, sondern alles sofort wieder in den Betrieb zu stecken und ihn nach Kräften auszubauen. Dafür blieb dann halt auch einmal der Mittagstisch weniger reichhaltig gedeckt. Der Geisteswissenschaftler Prof. Friedemann Maurer hat diese Einstellung einmal als die „List der Vernunft und den Reichtum von Ideen“ beschrieben, als er vom Aufstieg schwäbischer Handwerksbetriebe sprach (2). Theodor Lempp hat es ganz offenbar an besagter List der Vernunft nicht gefehlt.

 

Was die Lage an der Radolfzellerstraße anging, auch da hatte Lempp richtig gedacht. Der Blick in die lokalen ortspolizeilichen Anzeigen des Jahres 1933 zeigt, dass er nicht alleine stand. Von zehn Eintragungen in jenem Jahr beziehen sich vier auf diese neue Ost-West-Verkehrsachse. Da lag sein Betrieb goldrichtig, andere Unternehmen wie Mühlherr-Wagner, Alber oder Happle folgten mit der Ansiedlung ihrer Betriebe später nach. Das junge Unternehmen fand ohnehin im Stockacher Umland bald genug Kunden.

 

Und dann gab es auch noch die junge Frau Lempp, Maria, geb. Schmid. Sie stammte aus Bodman. Theodor Lempp heiratete sie im Mai des Jahres 1926. Maria Lempp erwies sich nicht weniger wagemutig als ihr Ehegatte und eröffnete, kaum dass das Wohnhaus 1927 fertiggestellt war, zur Straßenseite hin ein Lebensmittelgeschäft. Ein Umbauplan aus dem Jahr 1928 zeigt, dass kurzerhand eine Stube im Erdgeschoß zum Ladenraum umfunktioniert wurde. An der Ostseite des Hauses wurde ein zusätzlicher Ladeneingang hinzugefügt. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite hatte unterdessen die Firma Fahr neue Wohnhäuser für ihre Arbeiter und deren Familien errichtet, ganz allmählich wuchs Rißtorf in Richtung einer Stockacher Unterstadt heran, die ihrerseits seit dem Bau des Bahnhofs gewaltiges Entwicklungspotential bot.

 

Der Bau des Wohnhauses in dieser Lage hatte sich also bereits als richtig erwiesen. Nun galt es, weitere Möglichkeiten auszuloten. Dazu gehörte schon

nach einem Jahr der erste Umbau des Hauses – und unzählige weitere würden folgen. Immer ging es darum, die Geschäftsmöglichkeiten auszubauen und zu verbessern. Dies als Zeichen von „unverbesserlichem“ Optimismus zu deuten, ist gewiss nicht falsch. Theodor Lempp ließ sich von der Überzeugung leiten, dass mit eigener Hände Arbeit die Zukunft am besten zu sichern sei.

 

An Aufträgen fehlte es nicht. In den Büchern findet sich Kundschaft in Stockach, vor allem aber in Espasingen, Wahlwies oder Bodman. Dazu brauchte es ein Fahrzeug, dessen Abzahlungsraten an das Autohaus Konrad Martin ebenso regelmäßig erledigt wurden wie die Löhne für Mitarbeiter und den Lehrling. Der wurde erstmals 1937 eingestellt, die Firma präsentierte sich fortan als Ausbildungsbetrieb. Sogar ein „Geschäftsfahrrad“ gab es im Februar 1939. Der Beginn des 2. Weltkrieges im September 1939 änderte zunächst kaum etwas an der Auftragslage, nur ganz versteckt erscheint in der Firmenbuchhaltung bei den Ausgaben unter „Verschiedenes“ eine „Kriegssteuer“ von 13 Reichsmark.

 

Das Unternehmen war gewachsen. Davon berichten die Um- und Anbauten. Die allererste Werkstatt fand sich 1927 noch im Keller des Wohnhauses, 1933 kam eine neue Werkstatt mit 47 qm Fläche hinzu. Nochmals wurde 1938 erweitert, zusätzliche 60 qm boten nun Platz für ein Materiallager und Garagen. Dann musste Theodor Lempp in den Krieg ziehen, er blieb bis zum Kriegsende 1945 in Russland. Mit einem Eintrag am 23. Dezember 1940 schloss die Buchhaltung der Firma vorerst ihre Seiten, viele Aufträge hatte es jetzt nicht mehr gegeben.

 

Plan eines Werkstattbaus aus dem Jahr 1933
Plan eines Werkstattbaus aus dem Jahr 1933

 

Die Lempps ließen sich aber nicht unterkriegen. Die beiden Söhne von Theodor, Alfons und Paul, begannen 1941 beziehungsweise 1942 jeweils eine Lehre als Blechner und Installateur. Als Alfons 1943 ebenfalls eingezogen wurde, schaffte er vorzeitig sogar noch die Gesellenprüfung. Er kam aber nicht wie sein Vater bei Kriegsende wieder nach Hause, sondern konnte erst 1948 aus der Kriegsgefangenschaft in die Heimatstadt zurückkehren.

 

Alles in allem hatte das kleine Unternehmen aber die Kriegsjahre dennoch ziemlich unbeschadet überstanden. Der Lebensmittelladen von Maria Lempp war in den Kriegsjahren geschlossen worden, er sollte nicht mehr eröffnet werden. Wenn man Umbaupläne des Hauses aus den ganz späten 40er und frühen 50er Jahren betrachtet, spürt man förmlich, wie Theodor Lempp schon wieder zu neuen Ideen unterwegs war, den Betrieb auszuweiten. Das zu einer Zeit, als von einem Wirtschaftswunder noch nicht wirklich die Rede sein konnte. Das kam später, aber da hatte Lempp für seinen Betrieb wieder einmal die Weichen lange vorher gestellt.

 

Luftaufnahme der Radolfzellerstraße aus den frühen 50er Jahren. In der Bildmitte an der Straße liegt die Firma Lempp
Luftaufnahme der Radolfzellerstraße aus den frühen 50er Jahren. In der Bildmitte an der Straße liegt die Firma Lempp

 

Bereits im Februar 1946 konnte Theodor Lempp gemeinsam mit dem Sohn Paul den Betrieb wieder zum Leben erwecken. Erstaunlich, wie viele Aufträge gleich wieder anstanden. Natürlich musste auch wieder Material gekauft werden und weil der Bankenverkehr noch nicht so recht funktionierte, finden sich in den Nachkriegsjahren in der Buchhaltung viele Bareinnahmen und –ausgaben. „Licht für die Werkstatt“ nennt sich ein Posten, der belief sich im Februar 1946 auf vier Reichsmark und wurde bei den Stadtwerken bar bezahlt. Schon vier Wochen später stand ein Fahrzeug zur Verfügung, erstmals tauchen im Hauptbuch wieder Ausgaben für Benzin auf. Es ging doch wieder aufwärts, nicht zuletzt durch die Rückkehr von Sohn Alfons im Jahr 1948.

 

Heute noch erhaltene Firmenbücher liefern einen interessanten Einblick nicht nur in frühere Geschäftsabläufe oder Finanzangelegenheiten des Unternehmens. Sie stellen auch ein Stück örtlicher Sozial- und Kulturgeschichte dar. Zum althergebrachten Geschäft des Flaschners zählte noch bis in die 60er Jahre der Verkauf und die Montage von Öfen und Ofenrohren aller Art. In einer alten Aufstellung finden sich für den Zeitraum 15. September 1956 bis zum Ende des Jahres 1957 sage und schreibe 29 Aufträge für die Aufstellung eines Ofens. Solch ein Teil konnte damals schon einmal mehr als 350 DM kosten. Und die Ofenrohre wurden vom Flaschner passgenau dazu angefertigt. Heute mag man sich daran noch im Zusammenhang mit der Einrichtung eines Kaminofens beschäftigen, in älteren Auftragsbüchern waren sie das Alltagsgeschäft des Flaschners.

 

Ebenso lässt sich das Auf und Ab der privaten und öffentlichen Bautätigkeit in den Auftragsbüchern ablesen. Da taucht 1951 ein „Flüchtlingsneubau“ auf. Schräg gegenüber von der Firma auf der anderen Seite der Radolfzellerstraße waren zwei große Wohnhäuser errichtet worden, bei denen die Firma Lempp die Installationsarbeiten erledigte. Das galt in den 50er Jahren auch als Förderung des örtlichen Handwerks. Eher als Luxus wird man dagegen das Einrichten eines „Kristallklosetts“ bei einem offenbar anspruchsvolleren Kunden verstehen, wo hingegen bei der Einrichtung der „Volksküche“ für die Stadtgemeinde Stockach wieder sparsames Arbeiten angesagt war.

 

Der ehemalige Lebensmittelladen sollte 1949 wieder in ein Zimmer zurückverwandelt werden. Neben der Küche im Erdgeschoß richtete Lempp sich ein Büro ein und, um das Angebot im Sanitärbereich nun besser präsentieren zu können, zeichnete der Stockacher Architekt Fischer an der linken Hausseite einen völlig neuen Ladenanbau. Der sollte zunächst nur einstöckig bleiben, das Dach war als Terrasse gedacht. Über Ladeneingang und Schaufenster prangt in diesem Architektenentwurf stolz der Name „TH. LEMPP FLASCHNEREI“.

 

Ansicht des geplanten Umbaus 1949
Ansicht des geplanten Umbaus 1949

 

Aus der Dachterrasse wurde aber nichts. Stattdessen kam es noch in der Planungsphase zu einem Totalumbau des Hauses mit einer Ladenfront von drei großen Fenstern zur Radolfzellerstraße hin, und statt einer Terrasse wurde der gesamte neue Anbau auf Firsthöhe des bisherigen Hauses mit einem zweiten Stockwerk angehoben. Die umfangreichen Umbauten wurden 1950 abgeschlossen. Von dieser Bauphase existiert heute noch eine schmale Mappe mit Baurechnungen. Weil der Geldverkehr zu dieser Zeit immer noch Mängel besaß, erscheinen so manche Belege in Form von Gegenrechnungen. Zumeist wurde aber bar bezahlt, seltene Scheckzahlungen dagegen ausdrücklich vermerkt. Der Blick in diese Mappe ist auch eine Reise durch die Geschichte längst untergegangener Stockacher Unternehmen. Da findet sich der „Fuhrunternehmer Franz Güntert“, das „Sägewerk und Holzhandlung Hermann Bommer“ in Hindelwangen oder das „Maß- und Bekleidungshaus Josef Kern“. Da der Umbau ohnehin als Zukunftsinvestition zu betrachten war, wurde bei „Kraftfahrzeuge Konrad Martin“ auch noch gleich ein neues Fahrrad samt Beleuchtung und Schloss gekauft. Zum Schluss jener Umbaumaßnahme wurde selbstverständlich ordentlich gefeiert. „54 Glas Bier, 25 Stück Brot und 16 Essen“ nennt die Rechnung des Gasthofes „Zum Paradies“ in Rißtorf (3).

 

Zur Jahreswende 1952/53 legte Alfons Lempp an der Bundesfachschule in Karlsruhe die Meisterprüfung als Gas- und Wasserinstallateur ab, 1953 folgte die Heirat mit Anneliese, geb. Vökt, und die 2. Generation Lempp wuchs ganz selbstverständlich mehr und mehr in den Betrieb hinein. Alfons Lempp beschrieb seine Frau Anneliese in seinen schriftlichen Erinnerungen von 1983 als den „guten Geist des Geschäfts und den Kopf des Büros“. Er erinnerte sich aber auch daran, dass die Firma Lempp in 35 Betriebsjahren zwischen 1948 und 1983 vierzig Lehrlinge ausgebildet hatte.

 

Theodor Lempp fand nun auch Zeit, sich um Themen außerhalb des Betriebes zu kümmern. Schon im März 1952 gehörte er zu den „Gründungsvätern“ einer „Dachorganisation von Innungen und Verbänden“, aus der schließlich in Stockach die Interessengemeinschaft Handel, Handwerk und Gewerbe hervorging (4). Typisch für die 50er Jahre waren in diesem Verein so banale Angelegenheiten wie eine einheitliche Ladenschlussregelung oder Absprachen für Handwerkerferien. Die Firma Lempp blieb „HHG“ auch in der 2. Generation fest verbunden. Als der Verein 1987 sein hundertjähriges Jubiläum feierte, zählte Alfons Lempp in der Vorstandschaft zum Beirat (5). Er hatte im Übrigen, so mal „zwischendurch“, 1967 eine zusätzliche Meisterprüfung als Zentralheizungs- und Lüftungsbauer abgelegt. Da war Alfons Lempp 40 Jahre alt. Es sei halt erforderlich gewesen wegen der „fortschreitenden Technik und Modernisierung im Wohnungsbau“, erklärte er später, ganz in der Art eines ebenso selbstbewussten wie bescheidenen Handwerkers.

 

Die Veränderungen des Firmengeländes an der Radolfzellerstraße gingen unvermindert weiter. Kaum war der große Umbau des Vorderhauses 1950 abgeschlossen, schlossen sich Umbauten im Bereich der Werkstatt an. Sie erfuhr 1962 eine Aufstockung samt Einbau einer Wohnung. Hier zog nun Theodor Lempp mit seiner Frau Maria ein, während Alfons Lempp mit seiner Familie im Vorderhaus blieb. Dessen Straßenfront erhielt 1964 erneut eine Umgestaltung. 1970 konnte im rückwärtigen Teil des Grundstücks nochmals Gelände hinzugekauft werden, hier entstanden 1974 Garagenbauten. Dann begannen 1978 erneut Überlegungen für eine bauliche Erweiterung. Anfang des Jahres 1981 wurde eine Halle fertiggestellt, die eine Fläche von 750 qm aufwies.

 

Unterdessen hatte sich in der Familie Lempp Freud und Leid die Waage gehalten. Theodor Lempp starb 1979. Sein Vater sei bis „zur letzten Stunde“ an der Werkbank und auf dem Bau tätig gewesen, erzählt Alfons Lempp im Jahr 1983, als er im Rahmen des 50-jährigen Jubiläums auf die Geschichte der Firma zurückblickte (6). Es gab aber auch gute Nachrichten. 1973 war die dritte Generation Lempp in das Geschäft eingestiegen. Sohn Helmut, 1956 geboren, hatte 1973 die Berufsfachschule in Singen absolviert. Dann schloss er die Lehre als Sanitärinstallateur an und ließ eine zweite Lehre als Zentralheizungs- und Lüftungsbauer folgen. Weiter ging es bis 1984 mit der Ausbildung an der Bundesfachschule Karlsruhe samt zwei Abschlüssen zum staatlich geprüften Techniker im Sanitär- und Heizungsbau. Parallel legte Helmut Lempp auch noch zwei Meisterprüfungen ab, die eine im Gas-Wasser-Bereich, die andere als Blechner. Bevor er aber 1985 seine Ehefrau Angelika heirate, erledigte er noch zuvor die dritte Meisterprüfung, dieses Mal als Heizungsbauer.

 

Die Ehefrau stellte sich mit ihrer Ausbildung als Diplombetriebswirtin in die Reihe ihrer Vorgängerinnen. So wie die beiden Ehefrauen der 1. und der 2. Generation eroberte sich Angelika Lempp den Ruf des „guten Geistes“ im Geschäft. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor. Am 1. Juli 2005 übernahm Helmut Lempp den Betrieb von seinem Vater, nun stand er an der Spitze eines Betriebes, dessen Wohl und Wehe mehr als je davon abhängt, dem technischen Fortschritt in allen Arbeitsbereichen zu folgen. Der heutige Schwerpunkt des Angebots von Pellet-Heizungen ist dafür ein gutes Beispiel.

 

Der Seniorchef wird mit Zufriedenheit festgestellt haben, dass Sohn Helmut samt Firma Lempp sich im keineswegs einfachen Konkurrenzkampf weiterhin ihren Platz und guten Ruf sichern konnte. 2007 erhielt Alfons Lempp aus der Hand Bernhard Hoch für 40 Jahre Meistertätigkeit den „Goldenen Meisterbrief“ (7). Alfons Lempp starb 2011, seine Ehefrau Anneliese war bereits 2005 zu Grabe getragen worden.

 

Heute, im achtzigsten Jahr ihres Bestehens, hat die Firma „Haustechnik Lempp“ unter der Leitung von Helmut Lempp ihre traditionellen Schwerpunkte im Bereich Sanitär, Heizung und Blechnerei beibehalten, diese aber den modernen Anforderungen angepasst. Umweltfreundliche Technologien im Heizungsbau gehören ebenso dazu wie das Thema Wellness im Sanitärbereich. Sieben Mitarbeiter in der Werkstatt und im Büro erledigen die anfallenden Arbeiten. Was die Zukunft bringen wird? Wer weiß! Vielleicht doch eine vierte Familiengeneration, die die Firma führen will? Oder aber die Übergabe an einen Nachfolger, der in der Tradition und in der Verantwortung von drei Generationen Lempp das Unternehmen in der Radolfzellerstraße 31 zu neuen Ufern führt. Man wird sehen.

 

(1) Die Familie Lempp kann ihren Stammbaum in der Region bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts zurückverfolgen. In der zweiten Generation der Bodmaner Lempp trennte sich bereits vor 1700 eine Wahlwieser Linie ab, die bis zur heutigen Generation Lempp in Stockach lückenlos verfolgt werden kann

(2) Friedemann Maurer: Vom Geist der Gründer. Pfullingen 1991

(3) Firmenbücher aus dem Familienarchiv Lempp

(4) Festschrift HHG Stockach 1987, S. 27

(5) Festschrift HHG Stockach 1987, S. 60

(6) Schreibmaschinenskript von Alfons Lempp 1983

(7) SÜDKURIER, Ausgabe vom 27.10. 2007

Weitere Einblicke

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